4.3 Die Marabouts In der vorkolonien Zeit wurde das Recht auf Bodenbesitz im Clan oder in der Sippe weitervererbt, das heißt der Boden war im Besitz einer ganzen Familie, die sich “das Land nach dem Recht des Erstbesetzenden angeeignet und weitervererbt hatte.” Da jedes Familienmitglied Anspruch auf ein eigenes Stück Land hatte, wurde das Land speziell nach den Wünschen des Mitglieds genutzt, blieb allerdings im gemeinschaftlichen Besitz der Großfamilie. Dies wurde in der Kolonialzeit mit hauptsächlich wirtschaftlicher Konzentration auf die Erdnussproduktion erheblich verändert, wobei vorrangig der Agrarsektors mit dem Einführen von individuellem Eigentum an Grund und Boden umstrukturiert wurde.34 Das traditionelle gemeinschaftliche Nutzen des Bodens wurde somit abgeschafft und die Bauern mussten Grund als ihren Besitz eintragen lassen. Verstärkt wurden die Veränderungen der Agrarstrukturen zudem auch vom Islam. Die Marabouts – hochangesehene religiöse Führer, die die Rolle von traditionellen Adligen übernahmen – nutzen ihre Macht aus, um Feldarbeiter für sich zu verpflichten. Die Bauern arbeiteten für die Marabouts und auf der Gegenseite beteten die religiösen Führer für die sehr gläubigen senegalesischen Bauern. Auch ein Großteil der nun individuell eingetragenen Böden gehörten den Marabouts, die durch dies Macht, Ansehen und Reichtum für sich gewinnen konnte.35 Durch einige Umstrukturierungen in den späten 60er Jahren, die vor allem technischen Fortschritt bringen sollte, verloren die Kooperativen an Macht und Ansehen. Dies wurde von den religiösen Führern, den Marabouts - die zwischenzeitlich bei weitem nicht mehr so viel Einfluss auf den Erdnusshandel wie in den vorigen Jahrzehnten hatten und nicht mehr so viel Profit aus diesem schlagen konnten – sofort ausgenutzt. Sie waren die Besitzer großer Erdnussplantagen und wurden von der Regierung bevorzugt behandelt, da diese sah, dass die Marabouts in den technischen Veränderungen sehr nützlich sein können. Vielen wurden sehr gute Preise für ihre Erdnüsse bezahlt und einigen wurde sogar direkter Zugang zum Weltmark gewährleistet. Zudem waren sie auch die ersten, die von den neuen technischen Innovationen profitieren konnten. Das heißt natürlich auch, dass das Geld vor allen Dingen zu größten Teilen bei den Marabouts blieben und nicht zu den kleinen Bauernfamilien, die die eigentlichen Arbeit verrichten mussten, gelangen konnte. Anfang der 70er Jahre wurde der CPSP (prize compensation and stabilization fund) eingeführt, der Fördermittel und Zuschüsse an Erdnussproduzenten gab, von denen fast die Hälfte an die Marabouts ging.36 34 Leber, 1979: S. 64f 35 Leber, 1979: S. 68 36 Mbodj, 1993: S.94ff
|
|||



